12. Februar 2012
Draisine Erzherzog Johanns

Die Anfänge

Die Vorläufer

Erzherzog Johanns Laufmaschine © Universalmuseum Joanneum
Erzherzog Johanns Laufmaschine
© Universalmuseum Joanneum
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Gusswerker Draisine © Schultz
Gusswerker Draisine
© Schultz
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 Wie die Geburt des Fahrrades insgesamt schwer auf ein Datum und eine einzige Erfindung festzumachen ist, so sind auch die Anfänge der Radfahrgeschichte in Graz und der Steiermark nicht zu fixieren. Zum Teil herrscht auch noch Forschungbedarf wie im Fall der Erfindung des Grazers Ignaz Trexler, der 1784 eine frühe Fahrmaschine konstruiert hat.

Spärlich sind die Informationen über die Verwendung von Draisinen, also jene Baron von Drais zugeschriebene Laufmaschine (patentiert 1818), die von ihrem Reiter durch das ausschreitende, wechselweise Abstoßen mit den Beinen vom Boden angetrieben wird. Ein Prunkstück ist allerdings in der Sammlung des Universalmuseum Joanneum erhalten geblieben, das aus dem Besitz des steirischen Prinzen Erzherzog Johann stammt. 

Die zweite aus der Steiermark bekannte Original-Laufmaschine stammt aus Gusswerk und taucht u.a. auf einem Foto des 1897 gegründeten Radfahr-Vereins Gußwerk auf. Sie dürfte wohl einem Gewerken dieser für seine Erz- und Metallverarbeitung bekannte Gegend gehört haben und unterscheidet sich wesentlich vom Modell des Erzherzogs der Wiener Firma Burg. Das Gusswerker Objekt wurde im Zuge einer Nachlassverwertung 2004 von einem deutschen Sammler gekauft.   

Laufmaschine - Veloziped - Bicycle

Veloziped © MuseumsCenter Leoben
Veloziped
© MuseumsCenter Leoben
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Velozipedist, Graz 1870 © S. Volkmann/ Graz, Sammlung G. Jontes/ Leoben
Velozipedist, Graz 1870
© S. Volkmann/ Graz, Sammlung G. Jontes/ Leoben
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Hochradtouristen in Mariazell © Niklolaus Kuss
Hochradtouristen in Mariazell
© Niklolaus Kuss
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 Etwas umfangreicher sind die regionalen Belege es über die nächste Generation der Fahrrad-Vorfahren, das Veloziped: Das in Frankreich durch Michaux und Lallement in den 1860er Jahren entwickelte Gefährt zeichnete sich durch den Pedalantrieb direkt über das Vorderrad aus, was den Bodenkontakt der Beine zum Zwecke der Vorwärtsbewegung überflüssig machte und die "Schnellläufer" auf Draisinen in kurbelnde Veloizipedisten transformierte. Gleich der erste bekannte Grazer Bericht, gedruckt am 7. Mai 1869 in der "Tagespost", lässt die dräuenden Probleme mit der Ordnungsgewalt erahnen: "Die städtische Civilwache hat nun strengste Weisung zur Abstellung dieses Unfuges erhalten und hat gestern Nachmittag einen widerspenstigen Velocipedisten sammt seinem Instrumente zur Sicherheitsbehörde gestellt".

In steirischen Sammlungen befinden sich heute zwei Velocipedes, eines im MuseumsCenter Leoben und eines im Dorfmuseum Altenmarkt. Ein Bilddokument eines Grazer Fotografen zeigt einen jungen Mann auf einem dieser pedalgetriebenen Zweiräder. (Abb. rechts) 

Etwa ein Jahrzehnt später trat das Hochrad von England aus seinen - kurzen - Siegeszug an. Vom Auftauchen eines Ur-Bicyclisten in Leoben gibt nur eine Zeitungsnotiz Nachricht, gut dokumentiert ist hingegen die Gründung des Grazer Bicycle-Club (GBC) am 6. Dezember 1882, die den Beginn des organisierten Fahrradwesens in der Steiermark markiert. Das Hochrad und sein noch sportiver Gebrauch in exklusiven Kreisen wurden medial etwa in der Karikatur zum Teil kritisch kommentiert, sorgte in der Bevölkerung auch für Ängste und bei den Behörden für Ablehnung. 

Ein Wiener, Ernst Brömer-Elmerhausen, Gründungsmitglied des Wiener Bicycle Club, gilt als Initiator des GBC, dessen Mitglieder sich vornehmlich aus Kärntner Studenten rekrutierten, die in Graz eigentlich einen Ruderclub gründen wollten. Brömer brachte sie aufs Bicycle, auch Ernst Wlatnigg der erster Obmann des GBC wurde. Im Auftrag seines Arbeitgebers, der Südbahn-Gesellschaft, musste Wlatnigg allerdings Graz schon im Herbst 1884 wieder verlassen. Der begeisterte Eisläufer spielte später im sportlichen und gesellschaftlichen Leben seiner Heimatstadt Klagenfurt eine große Rolle. 

Erste Rennen auf Straße und Bahn

Auf der ersten Grazer Bahn © aus: Elek Vajda, „Graz wie es einmal war“, 1963
Auf der ersten Grazer Bahn
© aus: Elek Vajda, „Graz wie es einmal war“, 1963
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Max Kleinoscheg mit Schwester, 1885 © Museum im Alten Zeughaus/ Bad Radkersburg
Max Kleinoscheg mit Schwester, 1885
© Museum im Alten Zeughaus/ Bad Radkersburg
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 Festliche Vorführungen, "Akademien" genannt, fanden reges Publikumsinteresse. 1884 initiierte der GBC den Bau einer Sandbahn für Rennen und Corsofahrten im Park der Industriehalle, die mit einer Länge von 690,3 m die längste des europäischen Festlandes war. Das erste Rennen, das I. Bicycle-Meeting, fand im Juni 1884 mit Bi- und Tricycle-Meisterschaften statt. Schon im Jahr zuvor, am 14. Oktober 1883, fand das erste Straßenrennen in der Steiermark auf der Strecke Graz - Bruck/Mur - Graz statt. Der Sieger August Wagner benötigte für die 100 km fünf Stunden und 44 ½ Minuten. (Mehr unter => "Sportliche Highlights")

Weitere Clubs der Hochrad-Ära waren neben dem GBC der Grazer Radfahrer-Club (gegr. 1885) und der Akademisch-technische Radfahr-Verein (1887), im übrigen Kronland Steiermark die Bicycle-Clubs von Marburger und Liezen (1883), von Knittelfeld, Bruck und Gleisdorf (1884) sowie von Weiz (1885). Dazu kamen noch der Cillier und der Leobner Radfahrer-Verein, wie auch der Fürstenfelder Zweirad-Club, 1886 aus der Taufe gehoben, der Verein Leibnitzer Radfahrer, der Pettauer Bicycle-Club sowie der Judenburger RV und die Radfahrer-Clubs von Marburg und Voitsberg (1887).

Wegweiser und Wirtshausschilder

Steirischer Radfahrer-Gauverband, 1890 © Nachlass Hermann Baltl
Steirischer Radfahrer-Gauverband, 1890
© Nachlass Hermann Baltl
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 Der 1887 gegründete Steirische Radfahrer-Gauverband setzte sich als Dachorganisationen für die Interessen der (Touren-) Radler ein, erarbeitete ein Warnhin- und Wegweisersystem und empfahl seinen Mitgliedern radlerfreundliche Gaststätten wie den Grünwirt in St. Stephan am Gratkorn oder den Tomahan in Friesach.

Gut frequentierte Hotels und Gasthäuser legten auch Fremdenbücher des Gauverbandes auf, in die sich Radlerinnen und Radler mit Namen, Tourendaten und eventuell einem Spruch eintragen konnten. Drei davon - jene von Fürstenfeld ("Brauhaus"), Burgau (Gasthof Postl "Zum Hirschen") und Palfau (Gasthaus "Zur Kaisergemse") - sind bekanntermaßen erhalten geblieben.