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Waffenrad neu - mehr als müder Retro-Abklatsch?

Der Wiener Fahrradhändler Faber hat das altehrwürdige Waffenrad mit neuer Technik in Retro-Design wiederbelebt. Was ihm auch Kritik einbringt.



"Waffenrad 2.0", Damen- und Herrenmodell
"Waffenrad 2.0", Damen- und Herrenmodell

Das Waffenrad war ab 1934 von Puch in Graz produziert worden, bis das Zweirad 1987 an die Piaggo-Gruppe verscherbelt wurde. Doch begonnen hat die Geschicht des Originals in Steyr, bei der Österreichischen Waffenfabriksgesellschaft ÖWG, von wo sich auch der Name herleitet.

"Auf die große Nachfrage hin", wie es hieß, hat der Wiener Zweiradhändler Externe Verknüpfung Faber das Waffenrad in Kombination mit der Kultmarke "Puch" wiederauferstehen lassen. In der Frage, was nun tatsächlich "Waffenrad" und "made in Austria" sei, gibt man sich bedeckt. Eine diesbezügliche Anfrage  wurde nicht beantwortet.

So viel bekannt ist, wird das Fahrrad von "Cycle Europe", dem Inhaber der Markenrechte, in Polen produziert. Rahmen und Komponenten werden in Fernost zugekauft. Das Design sei österreichisch, wird beteuert. Doch selbst hier sind Zweifel angebracht, was die Authentizität anbetrifft. Die völlig andere Rahmengeometrie lässt vermuten, dass auch hierbei auf Konfektionsware von der Stange zurückgegriffen wird. 

Faber verkauft den Umstand, dass das "Waffenrad 2.0" nicht mehr wirklich viel mit dem Puch- oder gar Steyr-Original gemein hat, recht geschickt als Konzession an neue technische Anforderungen und zeitgemäße Weiterentwicklung (Slogan "Wie damals, nur besser"): Statt der Stempelbremse wird beim neuen, 18,5 kg schweren Modell eine sichere "Sturmey Archer"-Trommelbremse eingesetzt. Weiters wurde der verchromte Lenker ergonomisch an die heutigen Fahransprüche und Straßenverhältnisse angepasst. Für bequeme Ausfahrten ist auch eine Drei-Gang-Nabenschaltung integriert, die es allerdings auch schon bei den letzten Originalen gab.

Ex-Radrennfahrer Roland Königshofer streute dem "Waffenrad "2.0" im direkten Vergleich zu zwei älteren Versionen Rosen: "Auf den ersten Blick werden wahrscheinlich 50 Prozent der Leute nicht merken, dass es sich dabei um ein neues Fahrrad handelt. Erst im direkten Vergleich merkt man, wie viel Knowhow im neuen Rad steckt, ohne dass dabei das Waffenrad-Typische verloren geht."
Auch in der "Kleinen Zeitung" fällt das Urteil des testenden Redakteurs positiv aus: "Ein verlässlicher Kumpel, mit dem zwar die Zeit zurückgedreht wird, der aber dennoch auf der Höhe der Zeit ist."
    
Völlig anders sieht Karl-Heniz Rathkolb, Leiter des Puchmuseums Graz, das Retro-Fabrikat: "Das hat keine Qualität. Die Teile kommen aus China und Korea." Rathkolb will Faber untersagen, das Markenzeichen Puch zu verwenden - für das Waffenrad-Logo geht das nicht, weil es markenrechtlich nicht geschützt ist. Werner Planeta, ehemals Verkaufschef bei Puch, zeigt weitere Unterschiede auf: "Das Original hatte 2,5 mm-Speichen und verstärkte Felgen. Es war ein Transportrad, wo sich die Bauern die Milchkannen auf den Lenker hängen konnten." Auch in der Puch-Commuity im Netz ist von "Etikettenschwindel" die Rede, einzelne Kommentare  sprechen - wie im Bikeboard.at - von "billigem China-Böller"; Puch hätte sich besseres verdient.

Übrig bleibt unterm Strich eine kommerziell motivierte, vielleicht gut gemeinte Hommage an das alte Waffenrad, das auch von Puch gebaut wurde -  positiv betrachtet könne man ja sagen, so bleibt wenigstens eine große Marke und ein legendäres Modell in Erinnerung.

(RZ/ARGUS)




Retro-Chic: Waffenrad, 2014
Retro-Chic: Waffenrad, 2014
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Orginal, Mod. 1958
Orginal, Mod. 1958
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Original, Mod. 1962
Original, Mod. 1962
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19.08.2015
Wolfgang Wehap

 
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